Geschichte Estlands

Über die Frühgeschichte Estlands ist wenig bekannt. Spuren menschlicher Besiedlung in der Region reichen bis ca. 7000 v. Chr. zurück. Um 3500 v. Chr. siedelten sich finno-ugrische Stämme im Baltikum an. In seiner Germania berichtet der römische Geschichtsschreiber Tacitus vom nordischen Volk der "Aestii", das mit Bernstein handelt. 1208 eroberten dänische Truppen und Ritter des Deutschen Ordens die estnische Burg von Otepää und leiteten die Christianisierung ein. Nach der Gründung neuer Städte (Talinn, Tartu, Narva) gelangte Estland vollständig unter die Herrschaft des Deutschen Ordens. Die Küstenstädte wurden Teil der Hanse. Nach der Reformation, die den Deutschen Orden schwächte, fielen russische Heere ein. Der Livländische Krieg (1558-1583) führte zu einer Verdrängung der Russen, das Land wurde zwischen Schweden, Polen und Dänen aufgeteilt. Später gelangte das gesamte estnische Festland in schwedische Hände. Aufgrund ihrer Niederlage im Großen Nordischen Krieg mußten die Schweden Estland jedoch 1721 an den Zaren abtreten.

Unter dem Eindruck einer starken Russifizierungspolitik entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhundert eine estnische Nationalbewegung. Doch erst mit dem Zerfall des Zarenreichs nach dem Ersten Weltkrieg erreichte Estland 1918 die Eigenstaatlichkeit. In den 1920er Jahren erlebte das Land eine kurze wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Nachdem Estland durch den Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 dem Einflussbereich der Sowjetunion zugeschlagen worden war, wurde es ein Jahr später Teil der UdSSR. Der deutschen Besetzung zwischen 1941 bis 1944 und der Rückeroberung durch die Rote Armee folgte die endgültige Eingliederung Estlands in die Sowjetunion. Erst im Zuge der Öffnungspolitik Gorbatschows erwachte Ende der 1980er Jahre wieder das estnische Unabhängigkeitsstreben. Den beginnenden Zerfall der UdSSR nutzten die Esten zur stufenweisen Abspaltung und erklärten am 20.8.1991 die Unabhängigkeit. Im Sommer 1994 verließen die letzten russischen Truppen das Land. Erfolg der konsequenten Anlehnung an die westlichen Demokratien Europas war die Aufnahme Estlands in NATO und Europäische Union im Jahre 2004.